Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel in Gießen

Samstag, 5.September 2009 von Georg Zimmermann

Aktuelles, Allgemein

Integrationspolitische Fragen und die Situation des Vereins standen im Mittelpunkt eines Besuchs des SPD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit in der Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (DITIB) in Gießen. Begleitet wurde er dabei von Franziska Drohsel, der Bundesvorsitzenden der Jusos, und einigen Mitgliedern der SPD-Nachwuchsorganisation.

Beim Rundgang mit Imam Hayri Cihangeri und dem Vereinsvorsitzenden Ibrahim Amed konnten sich Veit und Drohsel zunächst ein Bild von den Räumlichkeiten der DITIB-Moschee machen. Die Moschee, in zweiter Reihe in der Marburger Straße gelegen, stoße an ihre Grenzen, so Amed. Man bemühe sich daher um eine Erweiterung auf ein anliegendes Grundstück, um einen größeren Gebetsraum und auch mehr Räume für andere Aktivitäten wie Jugendarbeit zu schaffen.

„Der Grundgedanke der Toleranz ist wichtig im Zusammenleben verschiedener Kulturen. Ich sehe eine gute Entwicklung in der deutschen Gesellschaft“, erklärte Veit in einer anschließenden Diskussionrunde. Integration dürfe nicht Assimilation bedeuten und das Vorgeben einer Leitkultur halte er für falsch, so Veit weiter. Imam Cahengeri forderte von der Politik mehr Anstrengungen und eine stärkere Befassung mit Integrationsproblemen. „Es ist nicht richtig, dass Menschen, die vor 50 Jahren als Einwanderer nach Deutschland gekommen sind und sich kaum mehr eine Rückkehr vorstellen können, noch immer als Ausländer behandelt werden. Sie gehören dazu“, sagte Cihangeri und fand dabei Zustimmung bei Veit, für den die Einbürgerung von hier lebenden Migrantinnen und Migranten ein nach wie vor ein großes Thema ist: „Duldungen muss man in Aufenthaltsgenehmigungen umwandeln“.

Die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel erkundigte sich nach Problemen junger Menschen mit Migrationshintergrund. „Junge Menschen, die in Deutschland aufgewachsen und sogar geboren sind, haben besondere Schwierigkeiten, wenn sie hier nicht akzeptiert werden, da sie oftmals auch keinen Bezug zu ihrem Ursprungsland haben“, so Imam Cihangeri. Bundestagsabgeordneter Veit bezeichnete es als „verrückt“, dass noch immer junge Menschen in die ihnen häufig unbekannte Heimat ihrer Eltern abgeschoben werden, aber gleichzeitig im Hinblick auf den demographischen Wandel der Mangel an jungen, gut ausgebildeten Menschen beklagt werde.

Ein weiteres Thema der Diskussion waren die Probleme illegal in Deutschland lebender Menschen, deren Zahl schätzungsweise bis zu 1,5 Millionen beträgt. „Ich kämpfe seit Jahren für eine Verbesserung der Situation der illegal hier lebenden Menschen. Insbesondere muss ihnen ein Zugang zu sozialer Grundversorgung geschaffen werden“, so Veit. Der Schulbesuch der Kinder oder ein Gang zum Arzt dürfe nicht wegen der Angst vor Entdeckung ausbleiben. Dazu müsse es zu einer Streichung von Mitteilungs- und Anzeigepflichten kommen. Imam Cahengeri dankte Veit: „Nach islamischen Recht ist Rüdiger Veits Engagement für die Hilfsbedürftigen sehr ehrenvoll.“

Zum Schluss bedankten sich Drohsel und Veit bei Imam Cihangeri und dem Vereinsvorsitzenden Amed für die Einladung. Veit bot als zuständiger Sprecher der Querschnittsarbeitsgruppe Integration und Migration der SPD-Bundestagsfraktion seine Hilfe bei Problemen an und sicherte zu, weiter in Kontakt zu bleiben.

Franziska Drohsel mit Rüdiger Veit beim Türkisch-Islamischen Kulturverein

Franziska Drohsel mit Rüdiger Veit beim Türkisch-Islamischen Kulturverein

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